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Graz, 15.Oktober 2006 - Mein erster Marathon

Ein Bericht von Lydia Unger

Etwa 3 Wochen vor dem magischen Stichtag läutete das Telefon und ein Freund fragte mich, ob ich nicht mit ihm gemeinsam den Marathon in Graz in Angriff gehen möchte. Da so ein Vorhaben auch ein wenig mit Verrücktheit zu tun hat und man sich der Konsequenzen erst im Nachhinein bewusst wird, sagte ich kurz entschlossen zu. So schwierig kann es doch nicht sein die rd. 42 km zu bewältigen. Oder?

Nachdem ich am Morgen des Marathons das Wort Nudeln nicht mehr hören konnte, wusste ich, dass die Zeit reif war.

Nun stand ich da im Startblock, den Pacemaker mit dem dämlichen Luftballon vor mir und dachte mir, dass es nun zum Rückzug wohl zu spät sei. Da setzte sich auch schon die Masse in Bewegung und es ging los, locker und frisch folgte ich dem Pacemaker namens Gerhard, der zuvor meinte, dass es für ihn heute bloß ein lockerer Trainingslauf werden sollte, so eine unverschämte Person, raubt er mir doch bereits zu Beginn meine Illusion eine gute Läuferin zu sein. Nachdem sich die Halbmarathonläufer ab km 21 verabschiedeten, wurde das Feld deutlich aufgelockert. Mein Laufpartner und ich, immer noch gut drauf und voll in der Zeit, gingen die zweite Hälfte an. Ein warmer Herbsttag mit Temperaturen um 22-23Grad in der Sonne meinte es zu gut mit mir und sobald ich den Schatten der Häusermauern bzw. Bäume verließ, legte mir die Sonne ein Gewicht von mehreren Kilos auf die Schultern, der Schatten wiederum zog mich am Krawattl hoch, die ersten Anzeichen von Unregelmäßigkeit stellten sich ein. Irgendwann zwischen km 25 und 28 schlich sich der Hundianer ein und die anfängliche Euphorie begann zu hadern. Es nützte doch nichts, mein Partner, treu an meiner Seite quetschte das Sportgel in sich hinein und ich versuchte es ihm gleich zu tun, das Zeug blieb am Gaumen kleben und wollte partout nicht den Hals runter.

Der magische 30er kam und ging wieder, der innere Countdown begann, ich zählte die Km nicht mehr, die ich bereits geschafft habe, sondern jene, die ich noch zu bewältigen hatte. Und dann kam dieser verflixte 32er, der mein linkes Wadl packte und es schier nicht mehr los lassen wollte. Die Frische war dahin, der Körper begann sich gegen mein Vorhaben zu wehren und als ich ab km 35 bemerkte, dass mein Partner mehr Reserven hatte, ich hingegen den inneren Kampf begonnen hatte, ließ ich ihn ziehen mit der Bemerkung er solle sich den Pacemaker holen.

Der eine ging und ein anderer kam, ein netter älterer Herr im gelben Trikot, trabte neben mir und auf Englisch beschlossen, der Italiener, der seinen 129. Marathon bestritt, und ich gemeinsam weiter zu kämpfen. Nach einem Blick auf die Uhr, gab er mir den Rat das zu unterlassen und auf meinen Körper zu horchen. Die Km schlichen dahin, eine Menge Läufer, die zu Fußgängern wurden, wurden von uns überholt und dann der finale Countdown. Noch 3km, gib Gas Ly, dröhnte es in meinem Kopf, der Geist war willig, aber das Fleisch war schwach. Es ging nichts mehr. Die letzte Unterführung und die Zuschauermassen wurden dichter und dichter, mein linkes Wadl verformte sich in alle Richtungen und mit verzerrtem Gesicht lief ich Seite an Seite mit Alfredo der Ziellinie entgegen. Gemeinsam erreichten wir in 3 Stunden 34 Minuten das Ziel und wir fielen uns in die Arme. Das war es also und die Bücher hatten doch Recht, ein Marathon ist kein Spaziergang!

Graz Marathon 2006

Graz Marathon 2006
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