Bericht vom 28. Marathon International de Paris

Bericht vom 28. Marathon International de Paris

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Als Alternative zu dem im Mai stattfindenden Wien-Marathon wollten viele Läufer an einem ausländischen Marathon zu einem früheren Termin im Jahr teilnehmen. Viele Marathons in ganz Europa buhlen im März und April um Teilnehmer, Rom, Hamburg, London oder Paris standen zur Diskussion. Obwohl Paris nicht zu den ganz großen klassischen Marathons zu zählen ist, treten alljährlich 35.000 Teilnehmer beim Arc de Triomphe zum Start an. Darunter heuer am 4. April auch 8 Läufer des 1. Laufclub Parndorf.

Ein Bericht von Andreas Homma

Was anfänglich als Reise im kleinen Rahmen gedacht war, entwickelte sich durch Mundpropaganda zu einem 4-tägigen Kurzurlaub mit insgesamt 14 Teilnehmern, darunter 8 Läufer und 6 Begleitpersonen. Der Flug war günstig zu buchen und auch ein billiges Hotel am Montmartre war rasch gefunden.

Der Lauf fand am Sonntag bei optimalen Bedingungen statt. Zeitig in der Früh dichte Wolken und Regen. Aber während des Frühstücks klarte es auf und die Sonne kam hervor. Die Temperatur betrug um 12°. Vom Hotel zum Start waren es 3 Kilometer.

Eine Gruppe mit Günther und Franz fuhren mit der Metro, während Sigi und ich uns zu Fuß aufmachten und die Strecke zum Aufwärmen nutzten. Im Startgelände bereits Durcheinander und Gedränge, kein Zugang zu den Sektoren zu finden, es gab nur die Möglichkeit sich ganz hinten hineinzustellen, oder seitlich bei den Zuschauern vorbeizugehen Unser blau markierter Startblock mit Zielzeit 3:30 war weit vorne und durch ein hohes Gitter abgegrenzt. Nur noch 10 Minuten bis zum Start und wir draussen bei den Zusehern! Dann eine Stelle wo das Gitter offen war und wir schnell hinein, T-Shirt und Kältefolie ausziehen und wegwerfen und schon ging es los! Während wir vorne aus unserem Sektor schnell vorrückten und losliefen, dauerte es aus den hinteren Startblöcken bis zu 15 Minuten und die Läufer mussten erst über Berge von weggeworfenen Kleidungsstücken und Getränkeflaschen hinwegsteigen.

Plan

Ich finde sofort mein Lauftempo, 4:30 am ersten Km, für einen Marathon sogar zu schnell, aber kein Wunder - die Champs Elysées geht bergab und wir geniessen den Beifall der Zuseher. Die Franzosen sind auffallend rücksichtsvoll und fair, trotz 35.000 Startern viel Platz zum Laufen, kein Vergleich zu Wien!! Beim Place de la Concorde dann die ersten Engstellen und Richtungsänderungen, da muß man schon die Ellbogen anwinkeln. Wir laufen entlang der Tuilerien und des Louvre Richtung Osten, genau der noch tiefstehenden Sonne entgegen, die bereits genug Kraft hat, die noch vom Morgen feuchte Strasse aufzutrocknen. Kein Wind in den engen Strassenschluchten und dazu die hohe Luftfeuchtigkeit, ich bin bereits bei km 5 komplett verschwitzt und der Puls ist im roten Bereich. Die ersten Selbstzweifel tauchen auf, schlechten Tag erwischt oder geht es den anderen genauso? Nach einem Blick rundum bin ich beruhigt, ich bin nicht der Einzige. Der erste Verpflegung lasse ich noch aus, kurz darauf kommen wir schon zum Place de la Bastille und bei km 11 erreichen wir ein Waldgebiet im Osten von Paris, in dem es endlich kühler wird.

Zum Trinken bekommen wir das französische VITTEL-Mineralwasser in 0,5l.-Flaschen mit Schraubverschluß. Praktisch – da wir dadurch an den Verpflegungsstellen kaum Zeit verlieren, man packt eine Flasche und kann sofort weiterlaufen und schluckweise trinken ohne gleich alles zu verschütten.

Bei km 13 werde ich vom 3:30-Pacemaker überholt, dahinter eine Meute von Läufern und ich lasse mich sofort etwas zurückfallen, um mich aus dem Gedränge herauszuhalten. Den Pacemaker mit dem blauen Luftballon habe ich anschließend bis zur HM-Distanz in Blickweite, meine Zeit ist daher genau im Soll. Nach einem weiten Bogen durch den Bois de Vincennes kommen wir wieder ins Stadtgebiet zurück, endlich wieder mehr Zuschauer und der Beifall steigt wieder an. Mein berüchtigter "Knick" bei km 23-24 bleibt diesmal aus, da wir genau in diesem Moment die Seine erreichen und nun die Strecke wieder abwechslungsreicher wird. Wir laufen entlang dem Seineufer, vorbei an der Ile de Cité mit Notre Dame, nochmals vorbei am Louvre und schon sieht man in der Ferne den Eiffelturm auftauchen. Nun sind mehrere Untertunnelungen zu durchlaufen, immer wieder hinunter und hinauf, der längste Tunnel ist einen Kilometer lang, die Luft ist schlecht! Ich plaudere kurz mit einem Landsmann aus Linz und wir versuchen uns gegenseitig zu motivieren. Bei km 28 schreit plötzlich jemand meinen Namen, in den Augenwinkeln kann ich noch kurz Roswitha und Christina erkennen, die beim Place de la Concorde stehen um uns anzufeuern.

Bei km 30 die letzte Zwischenzeitnahme, mit der Zeit von 2:35 kann ich immer noch zufrieden sein, aber ab jetzt wird es zäh. Ich überhole viele Läufer, denen es noch schlechter geht, einige gehen bereits, und das hält meine Motivation aufrecht. Nun geht es in das zweite große Waldgebiet von Paris hinein, in den Bois de Boulogne. Vorbei am Stade Roland Garros, wo das French Open veranstaltet wird, vorbei am Prinzenparkstadion, letzte Verpflegungsstelle bei km 40, noch schnell eine Flasche Mineralwasser in den Nacken hineinschütten, und schon sieht man die ersten Häuser an der Avenue Foch, die zurück zum Arc de Triomphe führt, auftauchen. "Allez... Allez..." schreien die Zuseher und schon geht es an den Fotografen vorbei über die Ziellinie !

Im Zielbereich dann das übliche Gedränge, die Chips werden uns abgenommen und dann dauert es endlos, bis wir Getränke und feste Nahrung, Bananen, Äpfel und Orangen und Müsliriegel bekommen.Auf einer Videowall kann man nochmals den Lauf des Siegers auf den letzten Kilometern mitverfolgen, aber ich beeile mich, aus dem Zielgelände hinauszukommen und in unser Hotel zurückzukehren, sukzessive treffen alle anderen Parndorfer ein und wir tauschen unsere Erlebnisse bei einem (oder mehreren?) kühlen Getränk(en) aus. Aus dem Internet erfahren wir kurz danach die Siegerzeiten, bei den Herren gewann der Äthiopier Ambesa TOLOSA in 2:08:54 vor Raymond KIPKOECH aus Kenia in 2:10:05, und bei den Damen gewann Salina KOSGEI in 2:24:30.Insgesamt haben 34.500 Läufer für den Paris-Marathon gemeldet, 30.430 sind gestartet, 29.700 haben das Ziel erreicht, die Ausfallsquote betrug daher nur 2,40 %.

Gruppenfoto 
1. LC Parndorf: Zillner M., Haslauer A., Feiner M., Pamer S., Ziegerhofer F., Mitterer F., Homma A., Schilling G. (v.l.n.r.) 

Und hier die Ergebnisse des 1. Laufclub Parndorf (in alphabetischer Reihenfolge):
Feiner Maria Rang 15.617 Zeit 3:55:51 netto
Homma Andreas Rang 12.209 Zeit 3:45:34 netto
Jöstl Sonja Rang 27.827 Zeit 5:03:20 netto
Mitterer Franz Rang 17.131 Zeit 3:59:51 netto
Pamer Siegfried Rang 23.014 Zeit 4:24:39 netto
Schilling Günther Rang 23.727 Zeit 4:28:05 netto
Ziegerhofer Franz Rang 17.288 Zeit 4:00:21 netto
Zillner Manfred Rang 27.155 Zeit 4:53:59 netto