Trainingslager

März 2004 - ein "Goldie" auf Lauftrainingslager in Bad Tatzmannsdorf

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7 Uhr morgens, ich stehe – weithin erkennbar an unserer schönen Clubtasche des 1. Laufclub Parndorf - am Schönbrunner Tor in Wien-Hietzing – ein wunderbar sonniger Märzdonnerstag kündigt sich an. Während ich auf meinen Vereinskollegen Roberto Esposito ("schon der Name Esposito klingt rasant!") warte, passieren mich unzählige Jogger und Läufer, um ihr Morgenprogramm herunterzuspulen. Mit freudiger und gespannter Erwartung harre ich der kommenden Trainingstage, ein ganz klein wenig plagen mich auch Zweifel, ob meine Kondition wohl ausreichen wird, um mit den VereinskollegInnen mitzuhalten. Nach einer eineinhalbstündigen Autofahrt mit netter Konversation in deutscher, italienischer und rumänischer Spräche erreichen Roberto, dessen Frau Bianca und Söhnchen Mattheo (ein Temperamentbündel und Sprachenzauberer, der es schafft, deutsch, italienisch und rumänisch in einem Satz, ja manchmal in einer Wortkombination unterzubringen !), und ich schließlich Bad Tatzmannsdorf. Nach und nach alle trudeln alle übrigen Trainingscampteilnehmer (das sind insbesondere Sigi Pamer und Günther Schilling, beide in der Endphase ihrer Trainingsvorbereitung für den Paris-Marathon, Michi Berdenich, Robert Seywerth, Willi Mujzer sowie unser "polizeilicher Bewacher" und Laufkamerad Helmut und dessen Frau Hertha Pahr ein. Hertha schließlich wird sich im Laufe des Camps als ausgezeichnete Therapeutin für diverse Wehwehchen profilieren, sie verfügt über ein großes Fachwissen, wir konnten uns bei ihr einige wichtige Tipps und heilende Handgriffe holen. Nach einem sehr freundlichen Empfang durch die Familie Petschinger beziehen wir hübsche Zimmer im Hotel Waldfriede, welches auf einer Anhöhe liegt und nur über einen ziemlich steilen kurzen Anfahrtsweg erreichbar ist. Schon dieser Anstieg stellt geradezu eine sportliche Herausforderung dar und ist somit prädestiniert für eine Läuferunterkunft!

Da wir ja am ersten Tag alle so voller Tatendrang und scheinbar voller Energie stecken, wollen wir den Tag auf Vorschlag unseres Chefcoaches Günther für zwei intensive Laufeinheiten nützen, während die Folgetage sowohl der läuferischen Ertüchtigung als auch der körperlichen Regeneration dienen sollen. Gesagt, getan – kurze Zeit später treffen wir uns vor dem Haus, wo uns Günther und Sigi namens des 1. Laufclub Parndorf willkommen heißen. Ein paar gymnastische und Stretching-Übungen leiten unser Trainingslager ein. Einige unserer Champions tänzeln nervös aufgeregt: "Wann geht’s endlich los?" "Lockeres Einlaufen" (eigene Anmerkung: locker?) und los geht’s zu einer Kennenlernrunde, über den Kurpark, die Finnenbahn rüber zum Freilichtmuseum, zur Kunstrasenbahn, wo insbesondere Michi, Willi und Roberto schon kurz ihre Klasse und Spritzigkeit aufblitzen lassen. Weiter geht’s raus aus Bad Tatzmannsdorf, immer noch relativ gemütlich, der erste steilere Anstieg nach Jormannsdorf ("Traude, Du schaffst es!") in Richtung Golfplätze, vorbei an den ehemaligen Steigenberger Hotels, auch dort ein toller Laufparcours, ich spür schon eine gewisse Müdigkeit in meinen Gelenken ("Wie können Golfplätze so groß sein – die enden ja nie!") – durch den Ort geht’s dann wieder retour zum Hotel Waldfriede. Die Vorhut unserer Vereinskollegen hat natürlich längst das Hotel erreicht, mit Helmut erreiche ich hochroten Kopfes - den steilen Anstieg zum Hotel eher gehend - unser Quartier. An dieser Stelle sei eine Quizfrage eingefügt: Woran erkennt man wohl eine Läuferunterkunft ? Na, schwer? Natürlich am Wäscheständer vor dem Hoteleingang, auf dem von den Männern eigenhändig (!) gewaschene Leiberln und Socken hängen, an offenen Zimmerfenstern (Sauerstoff?), wo zum Trocknen aufgestellte Laufschuhe von weitem den Weg ins Quartier weisen.

Duschen, danach lassen wir uns das Mittagessen schmecken. Anschließend ist Ausruhen vor der Nachmittags-Laufrunde angesagt. Zimmerstunde ? Nein, es ist ein herrlicher Frühlingstag, viel zu schade zum Verweilen im Zimmer. Vor allem Willi und ich zeigen bereits an diesem Tag unser Zusatztalent als ausgesprochene Sonnenanbeter, wir finden Liegestühle und lassen uns von der Sonne verwöhnen. So nach und nach trudeln auch die anderen ein. Wer liegt schon im März in der Sonne ?

Aufbruch zur Nachmittagstrainingseinheit. "Ja sind die narrisch?" Unsere Paris-Marathonis Günther und Sigi, der Willi, Roberto, Michi und der Robert zeigen, wo’s beim Laufen lang geht, ich seh sie meist nur weit von hinten. Bin eben doch eine Langsamläuferin (daher gibt’s wohl den Langsamlauftreff?). Wir laufen durch die hügelige Landschaft rund um Bad Tatzmannsdorf, rauf und runter, rauf, runter, … ein kleines (altes) Knieproblem macht mir zu schaffen. Dank der Hilfe Roberts erreiche ich schließlich doch wieder das Kurzentrum, wo mir Dr. Brenner, selbst ein begeisterter Läufer, den ich von einem früheren Aufenthalt in Bad Tatzmannsdorf kenne, ganz tollen ärztlichen Beistand und Hilfestellung leistet und mir so das aktive Verweilen und Mitmachen im Trainingscamp ermöglicht.

Der Magen knurrt – eine gemütliche Einkehr bei einem Mostheurigen beschließt unseren ersten Trainingslagertag. Müde und mit einem Eisbeutel auf meinem Knie falle ich in tiefen Schlaf.

Freitagmorgen, 8.00 Uhr – "Morgenlob" (=Stretching), danach eine ausgedehnte Laufeinheit. Ich kämpfe mit Milchsäure, bleiernen Gliedern und meinem Knie, aber in der Gruppe schaff ich auch diese Einheit in Vorfreude auf den geplanten Aufenthalt in der Burgenlandtherme. Vorher gibt’s noch ein traumhaft gutes und ausgiebiges Frühstück im Hotel und wir machen uns auf den Weg in die Therme. Es ist wieder ein strahlend schöner Frühsommertag. Zwischen den Saunagängen, Schwimmen und Unterwassermassagen lockt uns die Sonne wieder zum Sonnenbaden in den Saunagarten, hier tun sich Herta, Helmut, Willi und ich wieder einmal als Sonnenanbeter hervor. Manche unserer Clubkollegen haben aber offensichtlich noch immer nicht genug trainiert und arbeiten sich ihre überschüssigen Kräfte in der Kraftkammer bzw. auf den Ergometern ab!

Die Zeit bis zum Abendessen nützen wir für einen Ausflug nach Oberwart, wo wir auf der "motomotion" ganz tolle Gefährte und Motorräder bewundern. Nach dem Abendessen im Weinstadel Weiss leeren wir noch ein gutes Flascherl steirischen Weins (danke Willi!) und lassen, gemütlich plaudernd, den Tag Revue passieren. Diesen Abend hätten einige unserer männlichen Campkollegen natürlich sicherlich gerne in Parndorf am Fussballplatz verbracht. Aber es soll ja angeblich Handys geben, über die man sich topaktuell informieren lassen kann – vorausgesetzt natürlich, man hat das richtige Profil aktiviert, liebe Traude ;-(( !!!

So vergeht das Trainingslager wie im Fluge, zu Beginn am Samstagmorgen wollen sich endlich unsere Champions messen, Zeitläufe auf der Finnen- und Kunstrasenbahn stehen auf dem Programm. Man merkt, wie der Ehrgeiz brennt! Willi, Roberto, Michi, Sigi, Günther und Robert Seywerth, der mit seinem eleganten, tänzelnden Laufstil Großes für seine Leistungs- und Wertungsklasse erahnen lässt, sowie der einen ungeahnten Ehrgeiz entwickelnde Helmut tragen ein vereinsinternes Rennen untereinander aus. Danach geht es weiter über die Tatzmannsdorfer Hügel und auch ich fühle, wie ich immer mehr mithalten kann. Laufen ist Spaß!

Ein Thermenbesuch – wieder an einem wunderschönen Frühlingstag, lässt unsere Läuferherzen höher schlagen. Rundum zufrieden, braungebrannt und wirklich gut erholt genießen wir unser Abschluss-Abendessen und leeren anschließend im Hotel einige Abschieds-Fläschchen guten Weins.

Schließlich, am Sonntagmorgen, brechen wir zur abschließenden Laufeinheit auf. Lauf durch den Ort, Finnenbahn, Kunstrasenbahn, ein letzter Wettkampf mit Zeitnahme, weiter über die Hügel, ein "sausteiler Anstieg" links hinauf Richtung alter Bahnhof Bad Tatzmannsdorf und - "Traude – es geht super leicht, kein Keuchen, Fluchen und Nachluftringen, sogar Führungsarbeit geht sich kurzfristig aus, toll, ein Glücksgefühl sondergleichen !!!" Schade nur, dass der Aufenthalt schon zu Ende geht. Könnten wir doch noch ein paar Tage weitermachen!

Nach einem ausgiebigen Frühstück, treten wir, gestärkt als Freundes- und Laufgemeinschaft, gut erholt wie nach einem Urlaub, unsere Heimreise nach Parndorf und Wien an.

Vier wunderschöne Tage, die neben unserer Kondition vor allem unsere Freundschaft, das Gemeinschaftsgefühl und unsere Kameradschaft gestärkt haben, liegen hinter uns. Im Namen aller Teilnehmer möchten wir Günther und Sigi für die hervorragende Organisation danken. Für den Paris-Marathon wünschen wir den beiden sowie auch den anderen ClubkollegInnen viel Erfolg, den Mitgliedern des 1. Laufclub Parndorf aber ein wunderschönes, erfolgreiches Laufjahr mit vielen guten Platzierungen und persönlichen Bestzeiten.